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Was kostet ein Anwalt für türkisches Recht? Die ehrliche Antwort
Das ist schade. Denn die Antwort ist nicht so komplex, wie viele denken.
Wie Anwaltsgebühren in Deutschland funktionieren
Anwälte in Deutschland berechnen ihre Gebühren entweder nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) oder nach Zeitaufwand oder einer Vereinbarung über Pauschalgebühren.
Das RVG gibt es seit Jahrzehnten. Es legt fest, wie viel ein Anwalt für bestimmte Tätigkeiten berechnen darf — abhängig vom Streit- oder Gegenstandswert. Bei einer Scheidung mit einem Gegenstandswert von 20.000 Euro ergibt sich daraus ein bestimmter Betrag. Bei einer Erbschaftsangelegenheit mit einem Nachlass von 80.000 Euro ein anderer.
Der Vorteil des RVG: Gebühren sind vorhersehbar. Der Nachteil: Bei kleinen Streitwerten kann das RVG für den Anwalt zu wenig ergeben — weshalb viele lieber Stundensätze vereinbaren.
Was kostet eine Erstberatung zu türkischem Recht?
Die Erstberatungsgebühr ist gesetzlich auf maximal 190 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer begrenzt. Das gilt unabhängig davon, ob es um deutsches oder türkisches Recht geht.
In der Praxis verlangen viele Anwälte weniger — 80 bis 150 Euro für ein einstündiges Gespräch ist ein realistischer Bereich. Manche bieten eine kostenlose Kurzberatung von 15 bis 20 Minuten an.
Mit Beratungshilfe (wenn Ihr Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt) zahlen Sie nur 15 Euro — für Erstberatungen zu türkischem Recht wie zu jedem anderen Rechtsgebiet.
Was kosten konkrete Leistungen? Eine ehrliche Übersicht
Vollmacht auf Türkisch formulieren lassen: Für einen Anwalt, der den türkischen Text der Vekâletname nach türkischem Recht verfasst, liegen die Kosten typischerweise zwischen 100 und 300 Euro — je nach Umfang und Komplexität.
Tanıma-Tenfiz-Verfahren begleiten (Anerkennung eines deutschen Urteils in der Türkei): Das ist ein mehrstufiger Prozess — Antrag beim türkischen Gericht, Koordination mit türkischen Kollegen, Übersetzungen. Realistisch: 500 bis 1.500 Euro für die anwaltliche Begleitung in Deutschland, dazu kommen türkische Anwalts- und Gerichtskosten.
Erbschaftsangelegenheit in der Türkei (Veraset ilamı, Grundbuchübertragung): Kommt stark auf die Größe des Nachlasses und die Anzahl der Erben an. Für eine einfache Erbschaftsabwicklung ohne Streit: 400 bis 800 Euro für die anwaltliche Beratung in Deutschland. Hinzu kommen die türkischen Notarkosten und Grundbuchgebühren.
Scheidungsverfahren mit türkischem Bezug: Eine Scheidung in Deutschland mit anschließendem Tanıma-Tenfiz-Verfahren in der Türkei kostet mehr als eine rein deutsche Scheidung. RVG-Gebühren für die deutsche Scheidung: 1.500 bis 3.000 Euro (je nach Streitwert). Das türkische Verfahren kommt separat dazu.
Sorgerechtsstreit mit Türkeibezug: Das ist einer der teuersten Bereiche — weil er oft eskaliert, Gutachten erfordert und sich über lange Zeit zieht. Reine Anwaltskosten in Deutschland können schnell 3.000 bis 8.000 Euro erreichen, bei streitigen Verfahren auch mehr.
Wann zahlt die Rechtsschutzversicherung?
Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, deckt sie in der Regel Familienrechts- und Mietrechtssachen — aber nicht immer. Prüfen Sie Ihren Vertrag: Manche Policen schließen Scheidungsverfahren explizit aus. Und internationale Sachverhalte (türkisches Recht) sind manchmal ausgenommen oder erfordern eine separate Deckungsanfrage.
Rufen Sie vor dem Anwalttermin bei Ihrer Versicherung an und lassen Sie sich die Deckung schriftlich bestätigen.
Wann gibt es Prozesskostenhilfe?
Wenn Ihr Einkommen und Vermögen unterhalb bestimmter Grenzen liegt, können Sie beim Gericht Prozesskostenhilfe beantragen. Das Gericht übernimmt dann die Gerichts- und Anwaltskosten ganz oder teilweise. Die Prozesskostenhilfe gilt auch für Verfahren mit Bezug zu türkischem Recht — solange das Verfahren in Deutschland stattfindet.
Die ehrlichste Antwort
Was ein Anwalt für türkisches Recht kostet, hängt davon ab, was Sie brauchen. Für eine einfache Beratung oder die Formulierung einer Vollmacht zahlen Sie wenig — 100 bis 300 Euro. Für ein langes Gerichtsverfahren mit türkischem Bezug können es mehrere tausend Euro werden.
Was keine Kanzlei vorab sagen kann: wie komplex Ihr Fall wird. Manche Erbschaftssachen sind in zwei Beratungsgesprächen erledigt. Andere enden im Streit zwischen mehreren Erben und dauern Jahre.
Am besten: Vereinbaren Sie eine Erstberatung, schildern Sie Ihren Fall und fragen Sie direkt nach den zu erwartenden Kosten. Ein seriöser Anwalt gibt Ihnen eine ehrliche Einschätzung.
Häufige Fragen
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