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Zugewinnausgleich im türkischen Erbfall: Was die Katılma-Alacağı-Klage für Ehegatten und Erben bedeutet
Erbrecht & Familienrecht

Zugewinnausgleich im türkischen Erbfall: Was die Katılma-Alacağı-Klage für Ehegatten und Erben bedeutet

Av. Hasan Doğru
10. August 2026
17 Min. Lesezeit

Senden Sie Ehezeit, Todesdatum und eine grobe Vermögensliste. Wir prüfen, ob vor der Erbteilung ein güterrechtlicher Anspruch in Betracht kommt.

  • Tereke: früh einordnen, bevor Fristen oder Nachweise kippen
  • Ehezeit: früh einordnen, bevor Fristen oder Nachweise kippen
  • Tapu: früh einordnen, bevor Fristen oder Nachweise kippen

Türkisches Erbrecht · Mannheim & Ankara

AV. HASAN DOĞRU · DEUTSCH & TÜRKISCH · MANNHEIM & ANKARA

RECHTLICHER Dieser Artikel befasst sich ausschließlich mit dem türkischen Recht. Die Doğru Kanzlei berät gemäß § 207 BRAO ausschließlich im türkischen Recht. Für Fragen zum deutschen Recht empfehlen wir die Konsultation eines in Deutschland zugelassenen Rechtsanwalts.

Viele deutsch-türkische Familien gehen davon aus, dass beim Tod eines Ehegatten der gesamte Nachlass unmittelbar unter den gesetzlichen Erben aufgeteilt wird. Das ist nach türkischem Recht so nicht richtig — und dieser Irrtum kostet regelmäßig sehr viel Geld. Bevor überhaupt von "Erbe" die Rede sein kann, muss zunächst der eheliche Güterstand abgewickelt werden. Erst danach wird der verbleibende Nachlass unter den Erben verteilt. Der Anspruch, der in dieser ersten Stufe entsteht, heißt Katılma Alacağı — wörtlich "Teilhabeforderung" oder, um es mit einem deutschen Begriff greifbar zu machen: eine Art Zugewinnausgleichsanspruch, der auch im Todesfall entsteht, nicht nur bei Scheidung.

Für Leser mit deutschem Rechtshintergrund ist der naheliegende Vergleich das deutsche Zugewinnausgleichsrecht — aber Vorsicht: die Mechanik ist strukturell ähnlich, das Ergebnis ist es nicht. Es gibt insbesondere keine dem § 1371 Abs. 1 BGB vergleichbare pauschale Erhöhung des Erbteils um ein Viertel, wenn der gesetzliche Güterstand durch den Tod endet. Der türkische Ausgleich muss stattdessen konkret berechnet werden — und genau das erklärt dieser Beitrag.

Was ist die Katılma-Alacağı-Klage im türkischen Erbrecht?

Die Katılma Alacağı (Teilhabeforderung) ist der gesetzliche Anspruch jedes Ehegatten auf die Hälfte des Wertzuwachses (artık değer) des vom anderen Ehegatten während der Ehe erworbenen Vermögens (edinilmiş mal). Grundlage ist der seit dem 1. Januar 2002 geltende gesetzliche Güterstand der Beteiligung an den Errungenschaften (edinilmiş mallara katılma rejimi, TMK Art. 218 ff.). Während der Ehe verwaltet jeder Ehegatte sein eigenes Vermögen selbständig; endet der Güterstand jedoch — durch Scheidung, Nichtigkeit oder eben Tod — entsteht ein finanzieller Ausgleichsanspruch.

Entscheidend: Der Güterstand endet nicht nur bei Scheidung, sondern auch durch den Tod eines Ehegatten (TMK Art. 225). Stirbt ein Ehegatte, wird zunächst berechnet, wessen Vermögen während der Ehe stärker gewachsen ist und wer wem in welcher Höhe ausgleichspflichtig ist — das ist die güterrechtliche Auseinandersetzung (Tasfiye). Der daraus resultierende Anspruch wird vom Nachlass wie eine Schuld abgezogen, bevor der verbleibende Nachlass unter den Erben nach erbrechtlichen Regeln (TMK Art. 499 ff.) verteilt wird.

Kurz gesagt: Der überlebende Ehegatte (oder, je nach Konstellation, auch die Erben des Verstorbenen) erhält zunächst seinen Anteil als Güterstandsgläubiger — und, sofern er zugleich Erbe ist, zusätzlich noch seinen Erbteil. Beide Ansprüche sind rechtlich unabhängig voneinander und werden getrennt berechnet.

TMK Art. 225: Die Beendigung des Güterstands durch den Tod — der zweistufige Prozess

Nach TMK Art. 225 endet der Güterstand mit dem Tod eines Ehegatten, mit der Vereinbarung eines anderen Güterstands, mit der Nichtigerklärung der Ehe oder mit einer gerichtlichen Anordnung der Gütertrennung. Im Todesfall tritt diese Beendigung automatisch ein — ohne gesonderten Antrag, im Moment des Todes.

Ab diesem Zeitpunkt läuft der Prozess in zwei klar getrennten Stufen:

Stufe 1 — Güterrechtliche Auseinandersetzung (Tasfiye): Das während der Ehe erworbene Vermögen (edinilmiş mal) wird vom persönlichen Vermögen (kişisel mal — z. B. vorehelich erworbenes Vermögen oder während der Ehe geerbtes bzw. geschenktes Vermögen) getrennt. Von jedem Errungenschaftsvermögen werden Schulden abgezogen; der verbleibende "artık değer" (Mehrwert) wird ermittelt. Der überlebende Ehegatte (bzw. bei umgekehrter Vermögensverteilung die Erben des Verstorbenen) kann die Hälfte dieses Mehrwerts als Katılma Alacağı beanspruchen. Dies ist rechtlich eine Forderung gegen den Nachlass, kein Erbanspruch.

Stufe 2 — Erbteilung (Miras Taksimi): Erst nachdem die Teilhabeforderung vom Nachlass abgezogen wurde, wird der verbleibende Nachlass nach den erbrechtlichen Vorschriften unter den gesetzlichen Erben verteilt. Der überlebende Ehegatte ist hier ebenfalls Erbe und erhält seinen gesetzlichen Erbteil nach TMK Art. 499 ff. — neben Abkömmlingen 1/4, neben den Eltern des Erblassers 1/2, neben den Großeltern 3/4, ohne weitere Erben die gesamte Erbschaft.

⚠️ Wichtig: Der häufigste Fehler in der Praxis ist, direkt in Stufe 2 überzugehen und den gesamten Nachlass unter den Erben aufzuteilen — als gäbe es die Teilhabeforderung gar nicht. Das führt faktisch dazu, dass der überlebende Ehegatte um einen erheblichen Vermögensteil gebracht wird und diesen später möglicherweise in einem separaten, aufwändigeren Verfahren einklagen muss.

Berechnung der Katılma Alacağı nach Art. 236 TMK

Die Berechnung basiert auf TMK Art. 236 ff. In der Praxis läuft das in folgenden Schritten ab:

1.Trennung des persönlichen Vermögens. Vorehelich erworbenes Vermögen, während der Ehe geerbtes oder geschenktes Vermögen und rein persönliche Gegenstände zählen als persönliches Vermögen (kişisel mal) und bleiben bei der Auseinandersetzung außen vor.
2.Ermittlung des Errungenschaftsvermögens. Das übrige, während der Ehe durch Arbeit, Einkommen oder gewerbliche Tätigkeit erworbene Vermögen zählt als edinilmiş mal.
3.Bewertungszeitpunkt. Die Bewertung erfolgt grundsätzlich zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung (meist der Zeitpunkt des Gerichtsurteils oder der Einigung), nicht zum Todeszeitpunkt — das kann bei Immobilien zu erheblichen Wertunterschieden führen, wenn zwischen Tod und Verfahrensabschluss viel Zeit vergeht.
4.Ermittlung des Mehrwerts (Artık Değer). Vom Wert des Errungenschaftsvermögens werden die dazugehörigen Schulden abgezogen; der Rest ist der Mehrwert.
5.Feststellung der Teilhabeforderung. Jeder Ehegatte hat Anspruch auf die Hälfte des Mehrwerts des anderen (TMK Art. 236 Abs. 1).

Ausnahme für Ehen vor 2002: Der gesetzliche Güterstand der Beteiligung an den Errungenschaften gilt in der Türkei erst seit dem 1. Januar 2002. Für davor geschlossene Ehen bzw. davor erworbenes Vermögen kann — sofern die Ehegatten vertraglich nichts anderes vereinbart haben — die frühere Gütertrennung gelten. Bei langjährigen Ehen ist dies unbedingt zeitlich zu prüfen, da es die Berechnung erheblich beeinflusst.

Rechenbeispiel: Güterrechtliche Auseinandersetzung und Erbteilung

Das folgende Beispiel ist rein illustrativ und dient nur der Veranschaulichung der Mechanik — es basiert nicht auf einem realen Fall und das Ergebnis variiert von Fall zu Fall.

Szenario: Herr K. verstirbt. Erben sind seine Ehefrau, Frau F., und die beiden gemeinsamen Kinder. Die Ehe wurde nach 2002 geschlossen; das gesamte Vermögen gilt als Errungenschaftsvermögen. Auf Herrn K. sind eine Eigentumswohnung in Izmir (Nettowert 200.000 EUR) und ein Geschäftsanteil (Nettowert 100.000 EUR) eingetragen — zusammen 300.000 EUR Errungenschaftsvermögen. Frau F. besitzt einen PKW (Nettowert 13.000 EUR). Der Bruttonachlass insgesamt (inklusive persönlichem Vermögen) wird mit 400.000 EUR angenommen.

SchrittVorgangBetrag
Stufe 1 — Güterrechtliche AuseinandersetzungErrungenschafts-Mehrwert von Herrn K.300.000 EUR
Teilhabeforderung von Frau F. (Hälfte des Mehrwerts)150.000 EUR
Bruttonachlass gesamt400.000 EUR
Verbleibender Nachlass für die Erbteilung (nach Abzug der Teilhabeforderung)400.000 − 150.000 = 250.000 EUR
Stufe 2 — ErbteilungErbteil von Frau F. (Ehegattin + Abkömmlinge, 1/4)250.000 × 1/4 = 62.500 EUR
Erbteil der beiden Kinder zusammen (3/4, geteilt)250.000 × 3/4 = 187.500 EUR → je 93.750 EUR
Gesamtsumme für Frau F.Teilhabeforderung + Erbteil150.000 + 62.500 = 212.500 EUR

Ohne die Teilhabeforderung hätte Frau F. lediglich 400.000 × 1/4 = 100.000 EUR erhalten. Mit korrekter zweistufiger Berechnung erhält sie 212.500 EUR — ein Unterschied von 112.500 EUR. Dieses Beispiel zeigt konkret, welchen finanziellen Effekt das Übergehen der Teilhabeforderung haben kann.

Der entscheidende Unterschied zum deutschen Recht

Für deutschsprachige Leser liegt der Vergleich mit dem deutschen Zugewinnausgleich nahe. Zwei Punkte sind hier wichtig, rein zur Einordnung — nicht als deutschrechtliche Beratung:

  • Kein pauschaler Viertel-Zuschlag. Nach § 1371 Abs. 1 BGB erhöht sich beim Tod eines Ehegatten im deutschen gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft der Erbteil des überlebenden Ehegatten pauschal um ein Viertel — unabhängig von der tatsächlichen Vermögensentwicklung. Eine solche pauschale Regel kennt das türkische Recht nicht. Die türkische Teilhabeforderung muss stattdessen konkret nach den tatsächlichen Vermögenswerten berechnet werden.
  • Zwei getrennte Ansprüche statt eines kombinierten. Während das deutsche System den erbrechtlichen und güterrechtlichen Ausgleich in einer Pauschale verbindet, bleiben im türkischen Recht Teilhabeforderung und Erbteil zwei rechnerisch getrennte, nacheinander zu ermittelnde Ansprüche.
  • Für deutsch-türkische Familien bedeutet das: Ein deutscher Erbschein oder eine in Deutschland übliche Nachlassberechnung sagt nichts über die türkische Teilhabeforderung aus — diese muss gesondert und nach türkischem Recht berechnet werden.

    Wer kann die Forderung geltend machen?

  • Der überlebende Ehegatte kann die Hälfte des Errungenschafts-Mehrwerts des Verstorbenen direkt beanspruchen.
  • Die Erben des Verstorbenen können umgekehrt gegen den überlebenden Ehegatten vorgehen, wenn dessen Errungenschaftsvermögen stärker gewachsen ist — der Anspruch ist also nicht einseitig, sondern richtet sich danach, wessen Vermögen mehr zugenommen hat.
  • Die Klage wird in der Regel vor dem Zivilgericht bzw. Familiengericht als Feststellungs- und Zahlungsklage erhoben und in der Praxis häufig zusammen mit oder im Vorfeld der Erbteilung geführt.
  • Das zuständige Gericht kann je nach Region variieren — in manchen Gerichtsbezirken werden solche Verfahren vom Familiengericht, in anderen vom Zivilgericht (Asliye Hukuk Mahkemesi) geführt. Diese Frage sollte vor Klageerhebung geklärt werden, da eine Klage beim falschen Gericht zu einem Unzuständigkeitsbeschluss und damit zu Zeitverlust führt. Da in der Regel ein Sachverständigengutachten erforderlich ist, kann das Verfahren je nach Komplexität des Falls zwischen einem und mehreren Jahren dauern; bei einer außergerichtlichen Einigung der Parteien lässt sich diese Dauer deutlich verkürzen.

    Verjährung und Fristen

    Endet der Güterstand durch einen anderen Grund als Scheidung — also durch den Tod — geht die überwiegende Rechtsprechung des Yargıtay (Kassationshof) davon aus, dass die Teilhabeforderung der allgemeinen zehnjährigen Verjährungsfrist nach TBK Art. 146 unterliegt. Diese Frist beginnt grundsätzlich mit der Beendigung des Güterstands, also mit dem Todestag.

    ⚠️ Achtung: Einige akademische Quellen und uneinheitliche Entscheidungen verschiedener Yargıtay-Senate weisen darauf hin, dass der genaue Beginn dieser Frist im Einzelfall nuanciert sein kann. Verlassen Sie sich daher nicht pauschal auf "es sind noch keine 10 Jahre vergangen" — insbesondere wenn der Nachlass bereits teilweise verteilt wurde, sollte die aktuelle Rechtsprechung im konkreten Fall geprüft werden.

    ThemaFrist / SchrittHinweis
    Verjährung der Teilhabeforderung10 Jahre (TBK Art. 146, allgemeine Verjährung)Beginnt grundsätzlich mit dem Todestag
    Beendigung des GüterstandsAutomatisch mit dem TodKein gesonderter Antrag nötig (TMK Art. 225)
    Ausschlagungsfrist der Erbschaft3 MonateSeparates Thema — nicht mit der Verjährung der Teilhabeforderung verwechseln
    Herabsetzungsklage (Pflichtteilsverletzung)1 Jahr / 10 JahreUnabhängig von der Teilhabeforderung, eigenständiges Klageverfahren
    Erbschein-AntragKeine Frist, aber Voraussetzung für weitere SchritteIn der Regel Voraussetzung für die Teilhabeklage

    Erforderliche Unterlagen und Beweislast

    Der größte Zeitfaktor in einem Katılma-Alacağı-Verfahren ist selten die Berechnung selbst, sondern der Nachweis, wann, von wem und aus welcher Quelle ein bestimmter Vermögenswert erworben wurde. Türkische Gerichte stützen sich auf konkrete Unterlagen, nicht auf bloße Behauptungen der Parteien. In der Praxis werden regelmäßig folgende Dokumente verlangt:

  • Grundbuchauszüge und Grundbuchhistorie — vollständige Aufzeichnungen darüber, wann, zu welchem Preis und auf wessen Namen eine Immobilie erworben wurde (abrufbar über das türkische Grundbuchsystem TAKBİS).
  • Kontoauszüge — für den gesamten Zeitraum von der Eheschließung bis zum Todestag; insbesondere größere Einmalzahlungen (die auf eine Erbschaft oder Schenkung als persönliche Quelle hindeuten könnten) werden gesondert geprüft.
  • Erbschafts- und Schenkungsunterlagen — damit ein Vermögenswert als persönliches Vermögen gilt, müssen Nachweise wie ein Erbschein, ein Schenkungsvertrag oder eine notarielle Urkunde vorliegen.
  • Handelsregister- und Unternehmensunterlagen — Handelsregisterauszüge, Gesellschaftsverträge, Bilanzen; gerade bei kleinen Familienunternehmen ist für die Bewertung praktisch immer ein Sachverständigengutachten erforderlich.
  • Heiratsurkunde und Personenstandsauszug — zur Feststellung des Eheschließungsdatums und damit der Frage, ob die Ehe vor oder nach 2002 geschlossen wurde.
  • ⚠️ Achtung: Manche Unterlagen sind Jahre später nicht mehr auffindbar — insbesondere wenn eine Partei die Dokumente zurückhält. In diesem Fall kann das Gericht die Unterlagen von den zuständigen Stellen (Grundbuchamt, Banken, Handelsregister) von Amts wegen anfordern; dieser Vorgang kann jedoch Monate dauern und das Verfahren erheblich verlängern. Wer die verfügbaren Unterlagen bereits vor Klageerhebung zusammenstellt, verkürzt die Verfahrensdauer spürbar.

    Ein Sachverständigengutachten kommt bei der Bewertung von Immobilien und Unternehmensanteilen praktisch in fast jedem Verfahren zum Einsatz. Da Gutachten von den Parteien angefochten werden können, ist dies einer der häufigsten Gründe für eine längere Verfahrensdauer — eine solide, in sich stimmige Beweislage von Anfang an verkürzt das Verfahren und macht das Ergebnis besser vorhersehbar.

    Grenzüberschreitende Komplikation: Welches Recht gilt, wenn Erben in Deutschland leben?

    Bei deutsch-türkischen Familien stellt sich zusätzlich die Frage, welches Recht überhaupt auf den Güterstand und die Erbfolge anwendbar ist — geregelt im türkischen internationalen Privatrecht (MÖHUK, Gesetz Nr. 5718). Diese Frage hängt unter anderem von der Staatsangehörigkeit der Ehegatten, ihrem gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt und der Lage der Vermögenswerte ab. Diese Anknüpfungsfragen werden hier bewusst nicht als abschließende Checkliste dargestellt — sie sind komplex, einzelfallabhängig und sollten in einer konkreten Fallberatung geklärt werden, nicht selbständig anhand allgemeiner Artikel gelöst werden.

    Praktisch bedeutet das für Erben in Deutschland: Auch wenn der überlebende Ehegatte oder Erben in Deutschland leben, ändert dies grundsätzlich nichts daran, dass für in der Türkei belegenes Vermögen die türkische Güter- und Erbrechtsmechanik zur Anwendung kommt — aber ob und wie deutsches Recht daneben eine Rolle spielt, ist eine Frage, die anwaltlich geprüft werden muss.

    Häufige Streitfälle: Halbgeschwister, Kinder aus erster Ehe, ausländische Erben

    Kinder aus erster Ehe. Hat der Verstorbene Kinder aus einer früheren Ehe, sind diese Erben, aber nicht Anspruchsgegner der Teilhabeforderung — diese betrifft nur den Güterstand der letzten Ehe. Ein häufiges Missverständnis: Diese Kinder empfinden die Teilhabeforderung des überlebenden (zweiten) Ehegatten als unfairen "zusätzlichen" Anspruch — dabei handelt es sich rechtlich um eine völlig separate Kategorie.

    Halbgeschwister und Patchwork-Familien. Bei mehreren Ehen mit jeweils eigenen Kindern muss für jede Ehe der jeweilige Güterstand gesondert abgewickelt werden — hier entstehen in der Praxis die meisten Berechnungsfehler.

    Erben im Ausland. Erben, die in Deutschland leben, werden häufig erst spät in den Prozess einbezogen — mit dem Risiko, dass die in der Türkei lebenden Erben die Teilhabeforderung bereits übergangen und direkt geteilt haben. Eine nachträgliche Klage ist möglich, aber mit höherem Beweis- und Zeitaufwand verbunden.

    Häufige Fehler im Katılma-Alacağı-Verfahren

    In den meisten Fällen, die wir sehen, entsteht der eigentliche Verlust nicht durch eine juristisch falsche Rechtslage, sondern durch Fehler im Verfahrensablauf. Die fünf häufigsten:

    1. Die Teilhabeforderung wird gar nicht geltend gemacht. Wenn Erben in der Türkei den Nachlass ohne anwaltliche Begleitung familienintern aufteilen, wird die Teilhabeforderung häufig überhaupt nicht thematisiert — schlicht, weil das Konzept nicht bekannt ist. Der überlebende Ehegatte verliert dadurch faktisch einen Anspruch, ohne es zu merken.

    2. Der falsche Bewertungszeitpunkt wird zugrunde gelegt. Die Bewertung erfolgt grundsätzlich zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung (Klage/Einigung), nicht zum Todeszeitpunkt. Gerade in Phasen schnell steigender Immobilienpreise führt eine falsche Zeitpunktwahl zu erheblichen Fehlbeträgen.

    3. Persönliches Vermögen wird mit Errungenschaftsvermögen verwechselt. Wird vorehelich erworbenes Vermögen später verkauft und durch neues Vermögen ersetzt (Ersatzanschaffung), ist die Frage, ob auch das neue Vermögen als persönliches Vermögen gilt, technisch komplex und wird in der Praxis häufig falsch beurteilt. Fehlende Dokumentation führt hier oft dazu, dass ein Vermögenswert fälschlich als Errungenschaftsvermögen behandelt wird.

    4. Die Verjährungsfrist wird falsch berechnet. Die Frage, ob die zehnjährige Frist bereits abgelaufen ist, lässt sich nicht immer eindeutig allein anhand des Todestages beantworten — insbesondere wenn der Nachlass bereits teilweise verteilt wurde oder Vermögenswerte erst später bekannt werden, kann der genaue Fristbeginn streitig sein.

    5. Erben in Deutschland werden zu spät einbezogen. In der Türkei lebende Erben können den Prozess beginnen und abschließen, ohne auf in Deutschland lebende Erben zu warten — mit der Folge, dass diese ihre Rechte, einschließlich der Teilhabeforderung, erst spät oder gar nicht mehr durchsetzen können. Eine frühzeitige Vollmachterteilung und aktive Begleitung von Anfang an reduzieren dieses Risiko erheblich.

    Wie die Doğru Kanzlei bei Katılma-Alacağı-Verfahren hilft

    Die Doğru Kanzlei ist sowohl bei der Anwaltskammer Ankara als auch bei der Rechtsanwaltskammer Karlsruhe (§ 207 BRAO) zugelassen. Diese doppelte Zulassung ermöglicht es uns, güterrechtliche Auseinandersetzung und Erbteilung direkt aus unserem Büro in Mannheim über das türkische Anwaltsportal UYAP zu führen — ohne Umweg über einen weiteren Anwalt in der Türkei.

    Möchten Sie prüfen lassen, ob die Teilhabeforderung in Ihrem Fall bereits berücksichtigt wurde — oder ob sie übersehen wurde? Teilen Sie uns kurz das Datum der Eheschließung und die Vermögenswerte im Nachlass mit — wir geben Ihnen eine konkrete Ersteinschätzung.

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    Diesen Artikel haben wir auch auf Türkisch veröffentlicht:

    Mirasa Katılma Alacağı Davası →

    Und auf Englisch für englischsprachige Familienmitglieder oder Berater:

    Turkish Inheritance: The Surviving Spouse's Property Participation Claim →

    Der vollständige Ablauf einer türkischen Erbschaft steht in unserem Erbschafts-Leitfaden. Zum Pflichtteilsrecht siehe unseren Beitrag zur Herabsetzungsklage (Tenkis Davası).

    Häufig gestellte Fragen

    Ist die Katılma Alacağı dasselbe wie der Erbteil?

    Nein. Die Katılma Alacağı entsteht aus der güterrechtlichen Auseinandersetzung und wird vom Nachlass abgezogen, bevor der Erbteil überhaupt berechnet wird. Der Erbteil wird erst auf den verbleibenden Nachlass angewendet.

    Kann der überlebende Ehegatte beide Ansprüche gleichzeitig geltend machen?

    Ja, beide sind unabhängig voneinander. Zunächst steht dem Ehegatten die Teilhabeforderung als Güterstandsgläubiger zu, danach zusätzlich der Erbteil als Erbe.

    Wie lange kann die Katılma-Alacağı-Klage geltend gemacht werden?

    Bei Beendigung des Güterstands durch Tod gilt nach überwiegender Auffassung eine zehnjährige Verjährungsfrist gemäß TBK Art. 146, beginnend mit dem Todestag. Der genaue Fristbeginn sollte im Einzelfall geprüft werden.

    Für welches Vermögen wird die Teilhabeforderung berechnet?

    Nur für während der Ehe erworbenes Vermögen (Errungenschaftsvermögen). Vorehelich erworbenes oder während der Ehe geerbtes bzw. geschenktes Vermögen zählt nicht dazu.

    Gilt für vor 2002 geschlossene Ehen etwas anderes?

    Ja, der gesetzliche Güterstand der Beteiligung an den Errungenschaften gilt erst seit dem 1. Januar 2002; für davor geschlossene Ehen bzw. erworbenes Vermögen kann die frühere Gütertrennung gelten — dies sollte im Einzelfall zeitlich geprüft werden.

    Gibt es in der Türkei einen Viertel-Zuschlag wie nach § 1371 BGB?

    Nein. Das türkische Recht kennt keine pauschale Erhöhung des Erbteils; die Teilhabeforderung muss konkret nach den tatsächlichen Vermögenswerten berechnet werden.

    Was passiert, wenn die Teilhabeforderung übersehen und der Nachlass bereits verteilt wurde?

    Der Anspruch kann grundsätzlich noch nachträglich geltend gemacht werden, sofern die Verjährungsfrist nicht abgelaufen ist — allerdings mit höherem Aufwand bei Beweisführung und Verfahrensdauer.

    RECHTLICHER Dieser Artikel befasst sich ausschließlich mit dem türkischen Recht. Die Doğru Kanzlei berät gemäß § 207 BRAO ausschließlich im türkischen Recht. Angaben Stand 2026, Änderungen und aktuelle Rechtsprechung vorbehalten.

    Av. Hasan Doğru

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